Roy Keane – der Bösewicht

Roy Keane ist ein Mythos. Geliebt für seinen Kampfeswillen, gefürchtet wegen seiner pseudo-psychopathischen Ausfälle. Produzent von zahllosen Anekdoten. Figur in einem Musical.

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Während das erste Zitat problemlos als Abschiedsrede interpretiert werden könnte, ist das zweite Zitat Ausdruck der fast schon unheimlichen Qualität, die Roy Keane Jahr für Jahr auf den Platz brachte, um aus seinem Verein Manchester United einen der erfolgreichsten der Geschichte zu machen. Sein Image variierte dabei wie bei kaum einem anderen Spieler der jüngeren Vergangenheit zwischen gottesähnlicher Figur für Fans von United und absolutem Hasssymbol für alle anderen. Seine illustre Karriere, gespickt mit der ein oder anderen Kontroverse, machte aus ihm eine Person des Weltfußballs, die in den letzten Jahren eine beeindruckende Transformation durchlaufen hat. Aus dem stets wütenden, von unmenschlichem Ehrgeiz getriebenen Anführer, der bisweilen auch mal über die Stränge schlug, ist ein Altinternationaler geworden, dessen Meinung für britische Medien mehr zählt als die der Queen. Vielleicht. Mittlerweile ist Roy Keane dazu in der Lage, über sich selbst zu lachen und seine Karriere nicht mehr ganz so ernst zu nehmen, wie er es vorher tat. So geschehen auch Ende März, als Keane bei der Erstaufführung des Re-Runs eines Theaterstücks über seinen famosen Ausfall bei der Weltmeisterschaft 2002. Damals verließ Keane das Mannschaftsquartier seiner irischen Nationalmannschaft und flog nach Hause. Ende März konnte man ihn im Olympia Theatre in Dublin sehen, wie er zusammen mit dem Rest der aktuellen irischen Nationalmannschaft dem bunten Treiben des Musicals „I, Keano“ folgte – zwei Tage vor dem wichtigen EM-Quali-Spiel gegen Polen. Im Musical selber wird Keane parodiert, er singt ein Liebeslied zusammen mit Alex Ferguson und erscheint am Ende des Stücks auf wundersame Weise als Engel – mit vorher unbekannter Gesichtsbehaarung. Die musikalisch-theatralische Verarbeitung der Ereignisse, die ja mittlerweile schon 13 Jahre zurückliegen, zeigen ganz deutlich, dass Roy Keane immer noch eine wichtige Rolle in der irischen und britischen Fußballkultur spielt. Erinnerungen an den Alf-Inge-Haland-Vorfall und die jahrelang ausgelebte Rivalität mit Arsenals Patrick Vieira sind Bestandteil der Fußballfolklore.

„Keano“ selbst sorgt auch nach dem Ende seiner Karriere weiter fleißig für Schlagzeilen, seine zahlreichen Rollen als TV-Experte (die meisten Auftritte absolut empfehlenswert!) nutzt er dazu, seine starken Meinungen und Ansichten über Fußball (und das restliche Weltgeschehen) an den Mann zu bringen. Auch aus professioneller Sicht ist er immer noch eine bemerkenswerte Figur des britischen Fußballs, wovon seine zahlreichen Engagements als Trainer Zeugnis sind. Die vier Jahre bei Sunderland und Ipswich Town waren keineswegs bar jedweder Begleiterscheinungen. Interessanterweise finden sich diese beiden Klubs auch in der Vita des Trainers Mick McCarthy, der im Jahr 2002 Trainer der irischen Nationalmannschaft war und dementsprechend Keanes Charakter aus eigener Erfahrung einschätzen kann. In der vergangenen Saison hat McCarthy den Aufstieg mit Ipswich Town knapp verpasst, während Roy Keane seine Brötchen als Assistenztrainer bei Aston Villa und der irischen Nationalmannschaft verdiente. Ende November entschied sich Keane dazu, sein Amt bei Aston Villa niederzulegen, um sich voll und ganz auf seine Rolle für Irland konzentrieren zu können. Dem medialen Scheinwerferlicht geht er dabei nicht zwingend aus dem Weg, die Veröffentlichung seiner zweiten Biographie zeugt von einem deutlich ausgeprägten Geltungsbedürfnis – das Buch verkaufte sich im Oktober letzten Jahres innerhalb von drei Tagen in Irland mehr als 10000 Mal. Auch Musical-Freunde zeigten sich wohlwollend über Keano, seit dem Debüt im Jahr 2005 haben mehr als eine halbe Million Menschen im Vereinigten Königreich und Irland die Parodie gesehen. Die gesellschaftlich-kulturelle Relevanz zeigt sich insbesondere daran, dass im Jahr 2005 gerade einmal vier Millionen Menschen in Irland lebten.

Wer ist dieser Roy Keane also, der seit Jahren die fußballerische Berichterstattung auf der Insel in Wallung versetzt?

Die jungen Jahre des Roy K. aus C. – bis zu dem einen Spiel in Anfield

Roy Keane ist stolz. Stolz auf seine Herkunft, stolz auf seine Heimat, stolz auf die Stadt, in der er 1971 geboren wurde. Es handelt sich um das irische Cork, im Gegensatz zu der Postkartenidylle Irlands eher urban geprägt. Fußball war in Cork gar nicht so wichtig, da Gaelic Football und Rugby die Szenerie dominierten. Roy hatte das Glück, in eine fußballaffine Familie hineingeboren zu werden. In seiner Kindheit war er (wen überrascht es?) ein fähiger Boxer, der es durchaus zu mehr hätte bringen können. Dazu sagte Keane einmal, dass das Boxen seiner sportlichen Entwicklung zuträglich war, da er durch die Kämpfe an Selbstvertrauen gewann. Dies übertrug er dann auf sein normales Leben und insbesondere Situationen physischer Aggression. Keane war dabei keineswegs ein Schrank, seine eher schmächtige Körpergröße musste er später auf dem Fußballfeld durch andere Qualitäten wettmachen. Seit jeher war er eher ein Arbeiter als ein Dribbler, dem die Einstellung und der Ehrgeiz über alles gingen. Seine Herkunft, er ist ein Kind der Arbeiterklasse, prägte ihn. Mit fast unmenschlichem Ehrgeiz ordnete er die Schule seinem Ziel, dem Profifußball, unter. Der englische Traum, für ihn gleichbedeutend mit einem Vertrag in der Premier League, konnte allerdings nur realisiert werden, wenn man es im jugendlichen Alter von 15 Jahren in eine irische Auswahl schaffte. Dies gelang Keane nicht, und so verdunkelten sich die Perspektiven eines Profivertrags am Horizont. Die Situation für den Gescheiterten war alles andere als rosig, da er aufgrund mangelnder Hingabe auch den wichtigen Schulabschluss nicht schaffte und so einem Schicksal als einfacher Hafenarbeiter entgegensah. Sein fußballerisches Scheitern lag, so seine erste Biographie, an einem Zusammenspiel aus zu wenig Körpergröße und zu viel Temperament. Aus dieser Erkenntnis schlussfolgerte der junge Roy, dass er fortan die Stollen fliegen lasse müsse – diese seien schließlich für alle gleich lang. Küchenpsychologisch kann man jetzt natürlich vermuten, aus diesen Erfahrungen aus der Jugend einen Einfluss auf die Profikarriere herzuleiten, der sich zugegebenermaßen nicht leugnen lässt. Keane arbeitete jedoch weiter verbissen an der Erfüllung seiner Träume, mit der einzigen verlässlichen Konstante, die neben seiner Familie immer an seiner Seite stand: seine Hunde. Diese „reden im Gegensatz zu Menschen keinen Scheiß“ und „werden dich niemals im Stich lassen“. Seine Beziehung zu seinen Hunden wird auch knapp zwanzig Jahre später relevant, als der Hund Triggs, mit dem er nach seiner Rückkehr von der WM 2002 einen von Medien begleiteten Spaziergang unternahm, nationale Berühmtheit erlangte. In der Biographie wird dann mit Sorgfalt auf die Knochenjobs hingewiesen, die Keane in seiner Jugend absolvierte, um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen. Sowas hilft natürlich bei der Legendenstrickung. Mit zunehmender Verzweiflung sah sich Keane dann auch zu Maßnahmen verleitet, die man dem heute so selbstbewussten Iren nicht zutrauen würde. Keane schrieb während einer Phase in seiner Jugend Bewerbungsschreiben an englische Vereine, um irgendwie doch noch auf den Profizug aufspringen zu können. Die Absagen kamen aber leider genauso reingeflogen wie später seine Tacklings in der Premier League. Hilfe kam dann überraschenderweise von der irischen Regierung, die in der schwierigen wirtschaftlichen Phase der 1980er eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für junge arbeitslose Iren zum Laufen brachte. Von Staatsgeldern finanziert konnten fortan die besten U18-Spieler des Landes unter Profibedingungen trainieren, um irgendwann Irland auf internationaler Bühne zu vertreten. Der junge Roy fasste dabei die Chance am Schopf, bewarb sich und wurde genommen. Damit war der Anfang einer steilen Karriere getan.

In seiner Biographie lässt sich Keane dann über die Bedingungen im Trainingscamp aus, in dem er fortan an seinen Fähigkeiten feilte. Bisweilen driftet das Ganze dann ein wenig in den esoterischen Bereich ab, wenn Keane kalenderspruchmäßig Sprüche wie „An einem Montagmorgen im Regen gewinnt man auf dem Fußballfeld nur Selbstanerkennung und mentale Stärke“ raushaut. Leugnen lässt sich allerdings nicht, dass ihm diese harte Schule den Weg in den Profibereich bereitete. Der englische Traum ging dann in Erfüllung, als er nach einem Probetraining bei Nottingham Forest von Trainerlegende Brian Clough unter Vertrag genommen wurde. Keane konstatiert dann, dass es ihm guttat, erst mit 18 Jahren in die Welt des Profifußballs einzutreten. Seine Teamkameraden bei Forest, alle seit dem Alter von 15 Jahren Profi, lebten in einer Fantasiewelt und waren „weinerliche, verwöhnte Schnösel, die in einer Blase leben“. Ihm, dem hart schuftenden Iren, waren diese Ansprüche an Professionalität natürlich nicht genug. Episodenartig erzählt er nun von seinen ersten Schritten im Profibereich, lässt dabei keine noch so kleine Geschichte aus – inwieweit er allerdings ein verlässlicher Erzähler sein kann, ist fraglich, da er gerne und oft dazu tendiert, einen kleinen Schuss an Fiktionalität in seinen als objektiv postulierten Bericht einzubauen. Beispielsweise ist es schon fast von cinematischer Eleganz, ihn vor seinem ersten (unverhofften) Spiel für Forest mit den Lads einen löten gehen zu lassen – natürlich um am nächsten Tag gegen das große Liverpool sein Debüt zu geben, obwohl er eigentlich davon ausgegangen war, nur als Ergänzungsspieler und Wasserträger mitzufahren. Um dies zu untermalen, schildert er eingehend die Aufwärmphase, während jener ihn seiner Mannschaftskollegen nach dem Vornamen fragten. Um einen Jungspund dann mal wieder richtig zu erden, ließ ihn Clough am nächsten Tag seine Schuhe putzen. Aber trotz allem: Roy hatte es in den Profifußball geschafft.

Auf dem Olymp mit United 

Nach dem Spiel in Anfield etablierte sich Keane als vollwertiges Mitglied der Mannschaft von Nottingham Forrest. Die Berufung in die irische U19-Nationalmannschaft, seit jeher Traum und Ziel, erfolgte auch relativ zeitnah. Sein jugendliches Alter verleitete ihn dazu, trotz der von ihm propagierten Professionalität, gelegentliche Saufeskapaden in der Heimat mit seinen Kumpels zu durchleben. Dies hinderte ihn allerdings nicht daran, 1993 für 3.75 Millionen Pfund zu United zu wechseln. Für damalige Maßstäbe war das in der noch jungen Premier League natürlich ein Transfer mit horrendem Geldfluss, während man dafür heute noch nicht mal den Unterarm von Raheem Sterling bezahlen könnte. Sein Wechsel zu United markierte in jedem Fall seine endgültige Ankunft in der obersten Schublade des englischen Fußballs. Gewohnt ehrlich ledert Keane dann in der Biographie gegen seine alte Kameraden von Forest, die er eigentlich bis auf Stuart Pearce alle für ihre mangelnde Einstellung verachtete. Bei United hingegen traf er auf gestandene Persönlichkeiten wie Bryan Robson, Eric Cantona (uh ah), Paul Ince, Peter Schmeichel (der Typ aus der Tipico-Werbung) – echte Champions! Die schiere Größe des Klubs schien den jungen Roy dann anfangs tatsächlich auch ein wenig zu beeindrucken, da die Geschichte von Manchester United omnipräsent in den Anforderungen der Gegenwart war. Der Klub atmete Professionalität und Winner-Mentalität dabei in allen Poren, was von Nottingham Forest laut Keane nicht behauptet werden kann. Das unbefleckte, zielorientierte Vorbereiten auf Wettkämpfe unter Sir Alex Ferguson wurde dabei für Keane zu Mantra und Maßstab gleichermaßen. Für ihn waren Aura und Charisma des Klubs und seines Managers ein enormer Ansporn, um sich endgültig im englischen Fußball zu etablieren. Die Zusammenarbeit mit Charakteren wie Ferguson oder Cantona, dazu die jungen Wilden der Class of 92 (Giggs, Beckham, Scholes, die Neville-Brüder) taten ihr Übriges dazu, dass aus Keane bald ein bestimmender Spieler der Premier League wurde. Dies sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Keane Zeit seiner Karriere niemals so richtig in der irischen Nationalmannschaft Fuß fassen konnte. Bereits seine ersten Nominierungen für die Jugendauswahl ließen in ihm einen bitteren Groll gegenüber der mangelnden Professionalität des irischen Fußballverbands aufkommen. Dieser hielt sich hartnäckig über all die Jahre, selbst bei erfolgreichen Qualifikationen für internationale Turniere. Irlands Farbe zu vertreten war für ihn dennoch immer eine Ehre, aber die Methoden des damaligen irischen Nationaltrainers Jack Charlton genügten nicht den Ansprüchen des Mittelfeldspielers. Seiner großartigen Karriere im Verein, mit zahllosen Titeln mit Manchester United, stand dabei eine Geschichte mit der irischen Mannschaft gegenüber, die von Missverständnissen, Eitelkeit und Sturheit bestimmt wurde. Bereits 1994 kam es im Vorfeld der Vorbereitung auf die WM in den USA zu einer Meuterei, da die irischen Spieler sich nicht mehr dazu bereit sahen, in der glühenden Mittagshitze weiter zu trainieren. Keane, laut eigener Aussage unschuldig, musste schon damals als Sündenbock herhalten und sich der wütenden irischen Presse stellen. Das erste Spiel gegen Italien konnte Irland sensationell gewinnen, auch der Einzug in die Vorschlussrunde gelang. Dort war allerdings gegen die Niederlande Schluss, was den irischen Feierlichkeiten aber dennoch keinen Abbruch tat. In der Öffentlichkeit wurde Irlands WM als Erfolg verkauft. Roy Keane sah sie als Alptraum. Es sollte nur der Anfang für das sein, was acht Jahre später folgen sollte.

„Der Trip ist eine Katastrophe“ – Keanes persönliche WM 2002

Die Saison 2001/2002 war für das titelverwöhnte Manchester United keine erfolgreiche. Man sollte annehmen, dass eine Saison ohne Titel einen grundsätzlich schon leicht miesgelaunten Roy Keane nicht unbedingt in Hochstimmung versetzt hatte. Keane, seinerzeit Kapitän von sowohl United als auch Irland, hatte bereits vorher seinen Unmut über die Bedingungen bei der irischen Nationalmannschaft kommuniziert – diese waren für einen Vollprofi wie ihn einfach nicht gut genug. Schlechte Trainingsplätze, Fliegen in der Economy Class, unpassende Trainingsklamotten und fehlende Unterstützung für die Spieler sorgten nicht zwingend dafür, dass Keane, sonst doch so stolzer Patriot, gerne zu den Lehrgängen der Nationalmannschaft reiste. Die erfolgreiche Qualifikation für die großen Turniere 1988 und 1990 waren für die irischen Fans Ausdruck der Genialität ihres Managers Jack Charlton, der schon zu Lebzeiten Legendenstatus innehatte. Von Menschenführung und Fußball habe dieser aber laut Keane “keinen blassen Schimmer”. Die Vorbereitung auf Länderspiele glich einer Farce, die Premier-League-gestählten irischen Profis versuchten allerdings, das beste daraus zu machen. “The Irish Way” war dabei natürlich immer besonders, der kleine Inselstaat gefiel sich immer in der Rolle des Außenseiters auf globaler Ebene. Voller Stolz und Patriotismus entsendeten die Iren ihre Nationalmannschaft im Mai 2002 nach Japan, die Spieler warteten dabei in der Abflughalle mit dem gemeinen Pöbel, Keane hätte allerdings eine Lounge bevorzugt, um sich ein wenig auszuruhen. Wie man das eben beim größten Klub der Welt so macht. Der Gemütszustand des Skippers sank dabei ins Bodenlose, da er sich im Vorfeld der WM bereits der medialen Attacken einiger Journalisten ausgesetzt sah, die ihn für seine durchschnittliche Saison ins Kreuzfeuer nahmen – viel schlimmer war für sie allerdings, dass Keane nicht am Benefizspiel von Nial Quinn teilnahm. Dieser hatte nach Ende der Saison geladen, Keane hatte aber dankend abgelehnt. Die Stimmung hätte also schon bei Abflug besser sein können. Verbessern sollte sie sich in Japan nicht. Dort finden Spieler und Trainer unzureichende Trainingsbedingungen vor – der Trainingsplatz war betonhart und die Trainingsklamotten waren noch unterwegs. Roy Keane gefiel das nicht. Die Frustration im Camp steigt schon zu Beginn in ungeahnte Höhen und äußerte sich am ersten richtigen Trainingstag gleich mal in einer kleinen Keilerei zwischen Roy Keane und dem Torwarttrainer Packie Bonner. Bereits an diesem Tag fasste Keane den Entschluss, seinen Sommer dann doch eher im heimischen Irland zu verbringen, lässt sich aber durch ein Telefongespräch mit Sir Alex Ferguson noch einmal umstimmen. Doch bereits am folgenden Tag verschärfte sich die Situation weiter: Keane gab ein Interview zu Journalisten der Irish Times und legte sehr detailliert seine Probleme mit der Vorbereitung auf die WM dar. Das Interview erschien am Folgetag in der Heimat und schlug dort ein wie eine Bombe. Mick McCarthy, immerhin Chef der ganzen Unternehmung, war darüber natürlich alles andere als erfreut. Bei einer Teamsitzung wurde Keane zur Rede gestellt. Vor versammelter Mannschaft riet er seinem Coach dazu, sich die WM und seine Vorstellung davon rektal einzuführen. Für Keane stellte es sich so dar, dass er seinem Land und seinen Fans einen Gefallen getan habe, sie über die Bedingungen in Kenntnis zu setzen. Seine zehnminütige Schimpftirade gipfelte im Folgenden:

“Mick, du bist ein Lügner. Du bist ein verdammter Blödmann (Anm. d. Verf.: der originale Wortlaut war heftiger, aber es lesen ja auch Kinder mit). Ich mochte dich nicht als Spieler, ich mag dich nicht als Manager, ich mag dich nicht als Mensch. Du bist ein verdammter Blödmann und kannst dir die WM in den Hintern schieben. Der einzige Grund dafür, dass wir etwas miteinander zu tun haben, ist die Tatsache, dass du es irgendwie geschafft hast, Trainer von Irland zu werden.”

Was blieb McCarthy dann anderes übrig, als Keane nach Hause zu schicken? Dort brach die Hölle los, ein Bürgerkrieg bahnte sich an. Familien zerstritten sich, Ehepartner redeten wochenlang nicht miteinander. Selbst der irische Premierminister schaltete sich ein. War Keane im Recht oder nur ein arroganter Schnösel? Jedenfalls war Sodom und Gomorrha ein Modell perfekter Organisation gegenüber dem, was sich in der Folge in Irland ereignen sollte. Und wenige Jahre später in ein Musical verarbeitet werden sollte. Japan 2002. Keane kam, sah und fuhr nach Hause.

Written in conjunction with Arne “Puyol” Steinberg

Translated by Arne Steinberg

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